Welche Materialien finden Verwendung bei Brautkleidern?
Materialien für Brautkleider
Grundsätzlich kann bei Brautmode jedes Material verwendet werden, dass auch zur Anfertigung sonstiger Bekleidung verwendet wird. Es haben sich allerdings im Laufe der Jahre bevorzugte Materialien herausgebildet. Sie sollten allerdings beachten, dass so gut wie alle in der Brautmodebranche verwendeten Begriffe eigentlich nur das Verarbeitungsverfahren, nicht das Ausgangsmaterial selbst beschreibt. Die zur Herstellung von Braukleidern vorwiegen eingesetzten Fasern sind Seide (die teuerste Variante), Polyester (die am weitesten verbreitete Faser) und Viskose. Je nach Verarbeitungsweg entstehen aus diesen 3 Grundmaterialen dann völlig unterschiedliche Optiken. Die für die Anfertigung von Brautmoden gebräuchlichsten Stoffe sind Seide, Taft, Satin, Spitze, Organza oder Chiffon.
Brautkleider aus Seide
Sicher das Edelste, dass eine Braut sich zur Hochzeit leisten kann. Brautkleider aus echter Seide. Ein solches Brautkleid bietet auch einen hervorragenden Tragekomfort. Es ist leicht und auch im Hochsommer fühlt sich das Brautkleid kühl an. Allerdings ist Seide ein sehr empfindliches Material, Sie sollten also auf Ihr wertvolles Kleid sehr gut aufpassen.
Es handelt sich bei Seide um die einzige natürlich gewonnene Endlosfaser. Seide wird schon seit dem 3. Jahrtausend vor Christi verwendet und kommt ursprünglich aus China. Auch heute noch wird der größte Teil der weltweit verwendeten Seide in China hergestellt. Nach Europa kam die Seide erst Mitte des 6. Jahrhunderts. Echte Seide wird aus dem Kokon der Seidenraupe gewonnen. Diese Hüllen werden in heißes Wasser geworfen und dann abgewickelt. Die einzelnen Fäden können eine Länge von bis zu 1000 Metern haben.
Maulbeer- und Haspelseide gilt als die edelste Seide, denn sie wird direkt vom Kokon des speziell zur Seidenherstellung gezüchteten Maulbeerseidenspinners gewonnen. Für 1 Kilogramm Seide benötigt man über 1000 Kokons. Wildseide wird aus den Kokons von wildlebenden Raupen gewonnen, die oftmals nicht komplett abgewickelt werden können. Deshalb wird dieses Material anders verarbeitet und ist deshalb weniger dünn und auch ungleichmäßig dick.
Dupionseide (oft auch als Doupionseide bezeichnet) ist eine reine Seide, sehr hochwertig und mit glatter Oberfläche. Sie wird aus Fäden von Doppelkokons gewebt und besitzt leichte Unregelmäßigkeiten auf ihrer Oberfläche, obwohl sie aus Maulbeerseide und nicht aus Wildseide gewonnen wird.
Die häufig verwendete Bouretteseide wird aus den bei der Seidenverarbeitung entstehenden kurzfaserigen Abfällen gewonnen, ist also damit auch wesentlich günstiger.
Pflegehinweise:
Waschen
Seide hat eine sehr glatte, geschlossene Oberfläche und verhindert so, dass Schmutz ins Innere der Faser gelangt. Daher reicht es häufig aus, das Brautkleid sanft zu bürsten oder zu lüften. Sollte es aber notwendig sein, ein Brautkleid aus Seide zu waschen, so ist äußerste Vorsicht geboten. Seide ist sehr empfindlich gegenüber Enzymen, optische Aufhellern und alkalischen Waschsubstanzen. Deshalb auf keinen Fall Voll- oder Feinwaschmittel verwenden, sondern immer nur spezielle Seidenwaschmittel (es geht aber auch ein normales Shampoo). Zu bevorzugen ist immer eine Handwäsche, da Seidenkleider in der Waschmaschine selbst bei höchster Sorgfalt leicht beschädigt werden können. Und achten Sie bitte darauf, das Kleid nicht auszuwringen oder stark zu reiben , da Sie damit die empfindliche Faser beschädigen können.
Trocknen
Trocknen Sie Ihr wertvolles Seidenkleid auf keinen Fall im direktem Sonnenlicht oder auf der Heizung, da Seide sehr wärme- und lichtempfindlich ist und dadurch leicht ausbleicht. Auf keinen Fall im Wäschetrockner trocknen, hier schädigt sowohl die Wäre als auch die Reibung das empfindliche Gewebe. Haspelseide am Besten nass aufhängen, Wildseide sollten Sie in Form ziehen und dann liegend trocknen.
Bügeln
Wenn Sie Ihr Brautkleid aus Seide bügeln müssen, dann nur bei leichter Hitze im leicht feuchten Zustand und von der Rückseite bügeln.
Brautkleider aus Polyester
Polyester ist das bei Brautkleidern am weitesten verbreitete Material. Über 95 % aller Brautkleider auf dem deutschen Markt sind aus Polyester gefertigt. Am weitesten verbreitet ist Polyester in Form von Satin, aber auch Taft, Spitze, Organza oder Chiffon werden in der Regel aus Polyester hergestellt. Bei Polyester handelt es sich um eine reine Synthetikfaser, die durch verschiedene Verarbeitungsverfahren auch gänzlich unterschiedliche Eigenschaften aufweisen kann. Polyesterstoffe nehmen nur 3 bis 5 Prozent des Eigengewichts als Feuchtigkeit auf, d.h. sie fühlen sich nie feucht an und trocknen auch sehr schnell. Das heißt bei einem Brautkleid, dass Sie auch im Hochsommer keine Schweißflecken oder ähnliches in Ihrem Kleid haben werden. Allerdings sind die meisten Polyesterstoffe schwerer und damit auch wärmer als Seidenstoffe. Im Gegensatz zu Seide sind Polyesterstoffe wesentlich unempfindlicher gegen Licht, Reibung usw. Polsterstoffe haben in der Regel ein hohes Eigengewicht, so dass sie sich selbst gerade ziehen und deshalb fast nicht knittern.
Pflegehinweise:
Waschen
Polyester hat ebenso wie Seide eine sehr glatte, geschlossene Oberfläche und verhindert so, dass Schmutz ins Innere der Faser gelangt. Daher reicht es häufig aus, das Brautkleid sanft zu bürsten oder zu lüften. Kleine Flecken können Sie auch jederzeit mit Wasser und einem leichten Reinigungsmittel entfernen. Wenn Sie Ihr Brautkleid waschen wollen, so sollten Sie es am Besten mit der Hand waschen, Polyesterkleider können allerdings auch in der Waschmaschine bei 30 Grad gewaschen werden. Sie sollten Ihr Brautkleid aber nicht unbedingt schleudern lassen. Bedenken Sie aber, dass vor allem Pailletten, Perlen und ähnliche Applikationen dadurch leicht beschädigt werden können.
Trocknen
Ihr Brautkleid aus Satin können Sie ganz einfach naß aufhängen. Das Kleid sollte innerhalb weniger Stunden trocknen. Durch das hohe Eigengewicht des Stoffes wird es beim Trocknen gleichzeitig geglättet, so dass in der Regel auch kein Bügeln notwendig ist.
Bügeln
Durch das hohe Eigengewicht ist ein Bügeln in der Regel nicht notwendig. Selbst wenn das Kleid zum Beispiel durch Transport Falten haben sollte, so wird es sich innerhalb weniger Tage durch das Eigengewicht selbst glätten. Wenn Sie es allerdings eilig haben und Sie Ihr Brautkleid bügeln müssen, dann sollten Sie das nur bei leichter Hitze im leicht feuchten Zustand und von der Rückseite tun.
Brautkleider aus Viskose
Viskose wir bei Brautkleider nur sehr selten als Hauptmaterial verwendet, kommt aber in geringeren Anteilen von Zeit zu Zeit in verschiedenen Kleidern vor. Viskose zählt wie Polyester zu den Synthetikfasern und wird in einem aufwendigen Verfahren aus Holzzellstoff gewonnen. Durch verschiedene Trennungs- und Reifungsprozesse wird aus Zellulose eine zähflüssige (=viskose) Masse, aus der dann die langen Viskosefasern gewonnen werden.
Brautmode aus Satin
Satin ist wohl der am weitesten verbreitete Stoff für die Herstellung von Brautkleidern. Satin hat eine glänzende Oberfläche, die in der Regel außen liegt und eine matte Seite, die in der Regel nach Ihnen zeigt. Dem Glanz verdankt der Stoff übrigens auch seinen Namen (franz. satine = seidig, seidenglänzend). Hervorgerufen wird der Effekt mit den 2 unterschiedlichen Seiten durch ein spezielles Webverfahren, das Atlasbindung genannt wird. Diese führt auch dazu, dass der Stoff sich hervorragend in jede Form schmiegt. Satin kann grundsätzlich aus allen langen Fasern hergestellt werden, also Seide, Polyester oder Viskose, Der typische Brautkleid-Satin wird aus Polyester gefertigt. Einer der größten Vorteile dieses Materials ist, dass es so gut wie nicht knittert und auch kaum Feuchtigkeit aufnimmt, dadurch trocknet es sehr schnell und es sind auch keine Schweißflecken zu sehen. Das hohe Eigengewicht von Satin zieht den Stoff immer wieder glatt und auch Flecken können einfach mit Wasser und einem sanften Reiniger direkt ausgewaschen werden.
Brautmode aus Taft
Taft wurde ursprünglich nur aus Seidenfasern hergestellt und ist wohl einer der ältesten Stoffarten überhaupt. Der heute bei Brautkleidern vorwiegend verwendete Taft wird aus Polyesterfasern in einer Leinwandbindung hergestellt und ist damit auch etwas weniger empfindlich als der Seidentaft. Charakteristische für die Leinwandbindung sind die feinen, kaum sichtbaren Querrippen. Taft hat eine sehr feine Oberfläche und eine matte Optik. Taft wird häufig als Futterstoff verwendet, auf der sichtbaren Seite wird er fast ausschließlich bei Festmode verarbeitet. Er eignet sich sehr gut für Brautkleider, da Taft ein sehr stabiles Material ist. Er ist etwas leichter als Satin, was dann allerdings auch den Nachteil hat, dass er sehr viel leichter knittert.
Spitze in der Brautmode
Die Technik zur Herstellung von Spitze wurde noch vor der Technik des Webens angewendet. Vor über 500 Jahren begann die Herstellung in aufwändiger Handarbeit. Damals wurden die Spitzen aus Seiden- und Leinenfäden hergestellt, die so dünn waren, dass man diese mit bloßem Auge nicht erkennen konnte. Die Spitzenmacher benötigten also viel "Fingerspitzengefühl" und noch mehr Geduld, um die kleinen Kunstwerke herzustellen. Heute wird Spitze in der Regel maschinell aus synthetischen Fasern gefertigt. Spitze ist eigentlich ein Sammelbegriff für sehr viele verschiedene dekorative Elemente, die nur aus Fäden (Garn) oder aus Stoff und Fäden bestehen. Als Spitze bezeichnet man es dann, wenn sie "durchbrochen" sind, also wenn zwischen den Fäden verschieden große Löcher sind, aus denen sich dann ein Muster bildet. Dadurch unterscheidet man die Spitze dann von einem normalen, bestickten Stoff. Bei Brautkleidern wird Spitze in der Regel als Randverzierung verwendet, inzwischen gibt es aber auch Kleider, die komplett mit Spitze überzogen werden. Wird die Spitze als Einsatz zwischen zwei Stoffstücken verwendet, dann bezeichnet man das als "entre-deux-Spitzen".
Man unterscheidet verschiedene Formen von Spitze wie zum Beispiel die Klöppelspitze die Ihren Namen durch die Herstellung in der Klöppeltechnik erhält, die Stickereispitze, die auf einen Stoffträger gestickt wird oder die Tüllspitze, die häufig Verwendung bei Brautkleidern findet.
Organza in der Brautmode
Bei Brautkleidern immer weiter verbreitet ist der Organzastoff. Dabei handelt es sich um ein sehr durchsichtiges (transparentes) Gewebe, dass zusätzlich einen fein schimmernden Effekt hat. Es wird entweder aus Seiden- oder aus synthetischen Fasern hergestellt. Die Fasern werden dann in einer sehr offenen Leinwandbindung verwoben. Dadurch dass Organza (sprich: Organsa) sehr fein ist kann er auch leicht beschädigt werden. Organza aus Seide knittert leicht und kleine Fadenverschiebungen sind auf der glatten Oberfläche sofort als Fehler erkennbar. Deshalb wird für die Herstellung von Brautkleidern so gut wie nur Organza aus Polyester verwendet. Er sieht zwar annähernd gleich aus, knittert aber fast nicht und ist auch viel robuster und unempfindlicher gegen Beschädigung. Im Gegensatz zu Chiffon ist Organza stabiler und wird deshalb bei Brautkleidern häufig dazu verwendet Röcke "aufzubauschen" und Ihnen mehr optisches Volumen zu geben.
Chiffon in der Brautmode
Chiffon in sein sehr dünner und durchsichtiger Stoff. Im Gegensatz zum Organza ist er allerdings viel weicher und "fliest" weich über die Haut oder das Brautkleid. Das hauchzarte Gewebe hat bei genauerer Betrachtung eine unregelmäßige und körnige Oberfläche. Der klassische Seidenchiffon wird eher selten bei Brautmode verwendet, da er - wie alle Seidenprodukte - sehr empfindlich ist. Weit verbreitet ist daher der Polyesterchiffon, der viel schwerer knittert und auch sehr robust ist. Er ist allerdings auch etwas schwerer. Chiffon wird in der Regel als zusätzliche Schicht über das Grundmaterial (z.B. Satin oder Taft) gelegt und gibt diesem dann einen weichen, romantischen Charakter. Brautkleider, die ganz aus Chiffon gefertigt sind, sieht man eher selten. Diese bestehen in der Regel dann aus vielen einzelnen Schichten, die notwendig sind um das Brautkleid undurchsichtig zu machen.
Tüll in der Brautmode
Tüll ist wie Chiffon oder Organza ein durchsichtiges Gewebe, dass in vielen Brautkleidern verarbeitet wird. Es ist allerdings noch wesentlich fester als Organza. Tüll zeigt bei genauerer Betrachtung ein netzartiges Gewebe mit feinen, sechseckigen Öffnungen. Im Gegensatz zu allen anderen hier aufgeführten Stoffen wird Tüll nicht gewebt oder verstrickt. Die einzelnen Fäden werden hier verknotet. Dadurch ist Tüll extrem stabil und kann hervorragend verwendet werden, um Form oder Volumen zu geben. In der Regel wird Tüll in der Brautmode vor allem bei Schleiern, Reifröcken, Petticoats oder Volumenunterröcken verwendet. Frechere, jüngere Kleider zeigen den Tüll dann auch häufig, indem er unter dem Rock hervorbricht.
Duchesse in der Brautmode
Von Zeit zu Zeit findet sich auch die Duchesse bei Brautkleidern. Dabei handelt es sich um eine klassische Kettatlasbindung, die sich wie der Satin hervorragend in Form bringen lässt. Hergestellt wird sie in der Regel aus Viskose und Seide, Duchesse kann allerdings auch aus Viskose und Polyester gefertigt werden. Brautkleider aus Duchesse sind leichter als Satinkleider und etwas schwerer als Kleider aus Taft.
Crepe in der Brautmode
Crêpe ist ein kreppartiges Material, das eine deutlich kräuselige Optik hat. Charakteristisch ist die körnige Oberfläche und ein "knirschender" Griff, wenn Sie das Material zwischen den Fingern reiben. Es gibt die echten Crêpe-Gewebe wie Crêpe de Chine, Crêpe Georgette oder Crêpe Mousseline, die aus besonders hochgedrehten Garnen gewebt werden. Dieses Herstellungsverfahren ist aufwändig und damit auch teuer. Auf der anderen Seite gibt es auch eine Reihe von Crêpe-Stoffen, bei denen die Optik durch eine spezielle Gewebeart oder durch eine Hitzebehandlung erreicht wird. Diese künstlich hergestellten Crêpe-Stoffe sind in der Regel günstiger als die echten Gewebe.
Crash-Stoffe in der Brautmode
Bei den zur Zeit für Brautkleider sehr beliebten Crash-Stoffen (sprich: kräsch) handelt es sich eigentlich nicht um die Bezeichnung eines bestimmten Stoffes, sondern um eine besondere Optik. Crash Stoffe zeigen deutliche, unregelmäßige Längs- und Querknitter. Es kann also beispielsweise genauso Crash-Taft wie Crash-Satin in der Mode verarbeitet werden. Die ungewöhnliche Optik wird durch eine spezielle Hitzebehandlung des Stoffes hervorgerufen. Crash-Kleider dürfen deshalb natürlich nie gebügelt werden, da damit die gewünschten Knitter für immer verloren gehen würde. Der Effekt ist allerdings nur bei synthetischen oder teilsynthetischen Stoffen beständig, reine Naturseide kann also nie eine dauerhafte Crash-Optik aufweisen.
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